Myopie, auch als Kurzsichtigkeit bezeichnet, ist ein weit verbreiteter refraktiver Sehfehler, bei dem nahe Objekte klar gesehen werden, während entfernte Objekte verschwommen erscheinen. Ursache ist eine Abweichung in der optischen Abbildung des Auges: Das Licht trifft nicht exakt auf die Netzhaut (Retina), sondern wird davor gebündelt. Dies geschieht entweder aufgrund eines zu langen Augapfels (axiale Myopie) oder einer zu starken Brechkraft der Hornhaut oder Linse (refraktive Myopie).
Die Myopie wird in Dioptrien (dpt) mit einem negativen Vorzeichen angegeben. Eine Kurzsichtigkeit bis -3,00 dpt gilt als leicht, -3,00 bis -6,00 dpt als mittelgradig, ab -6,00 dpt spricht man von starker oder hochgradiger Myopie. Je höher der Wert, desto unschärfer erscheinen Objekte in der Ferne.
Typische Symptome einer Myopie sind:
- Verschwommenes Sehen auf größere Entfernungen
- häufiges Zusammenkneifen der Augen zur Fernsicht
- Kopfschmerzen oder Augenermüdung bei längerer Fernsicht
- beeinträchtigte Nachtsicht (Nachtmyopie)
Die Diagnose erfolgt durch eine Refraktionsbestimmung bei einem Augenoptiker oder Augenarzt. Eine fundierte Untersuchung schließt auch Netzhautkontrollen ein, da starke Myopie mit einem erhöhten Risiko für Netzhautdegenerationen, Netzhautablösungen und Glaskörperveränderungen einhergeht.
Zur Korrektur der Myopie kommen mehrere Optionen infrage:
- Brillen mit Zerstreuungslinsen (Minusgläser)
- Kontaktlinsen, insbesondere bei höheren Dioptrienwerten
- Refraktive Chirurgie wie LASIK oder PRK
- Orthokeratologie (Ortho-K-Linsen), bei der formstabile Kontaktlinsen über Nacht die Hornhaut temporär modellieren
In der Funktionaloptometrie wird Myopie auch unter dem Aspekt ihrer Entstehung und Progression betrachtet. Einseitige Naharbeit, ungünstige Sehverhältnisse und unzureichende visuelle Regulation gelten als Risikofaktoren für die Entwicklung oder Verstärkung einer Myopie, insbesondere im Kindes- und Jugendalter.
Moderne Ansätze der Myopiekontrolle zielen darauf ab, das Fortschreiten zu verlangsamen. Dazu zählen: Myopie-Management-Kontaktlinsen (z. B. multifokal oder mit Defokuszonen), spezielle Brillengläser mit myopiehemmendem Design, Atropin-Therapie in niedriger Dosierung (nur unter augenärztlicher Kontrolle), visuelles Verhaltenstraining oder auch angepasste Arbeitsplatzgestaltung und ausreichende Aufenthalte im Tageslicht.