Die Fixationsdisparität ist eine sensomotorische Störung des Binokularsehens. Sie beschreibt eine geringfügige, messbare Ungenauigkeit in der Augenstellung, bei der die Sehachsen beider Augen nicht exakt auf denselben Punkt ausgerichtet sind, obwohl subjektiv keine Doppelbilder wahrgenommen werden. Diese leichte Abweichung im Vergenzsystem liegt innerhalb der sogenannten Panumbereiche, in denen das visuelle System noch in der Lage ist, Bilder der beiden Augen zu einem einzigen Bild zu fusionieren.
Fixationsdisparitäten können in verschiedenen Ausprägungen (vor und hinter dem Horopter) auftreten. Man unterscheidet deshalb zwischen:
- Esodisparität (gekreuzte Disparität): Dabei ist die Fixationslinie der Augen leicht nach innen gerichtet.
- Exodisparität (ungekreuzte Disparität): Hier sind die Augenachsen geringfügig nach außen gerichtet.
Obwohl die Abweichungen meist minimal sind, können sie bei Betroffenen vielfältige Symptome verursachen. Dazu gehören asthenopische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Augenmüdigkeit, verschwommenes Sehen, Konzentrationsprobleme oder Schwierigkeiten beim Lesen und Arbeiten am Bildschirm. Besonders bei längerer visueller Belastung oder intensiver Naharbeit können sich diese Beschwerden verstärken.
Die Ursachen für Fixationsdisparitäten sind vielseitig. Häufig liegen sie in einer eingeschränkten Koordination der Augenmuskulatur, in unzureichenden Fusionseigenschaften des visuellen Systems oder in einer latenten Augenfehlstellung (assoziierte Heterophorie). Weitere Faktoren können unkorrigierte oder falsch korrigierte Fehlsichtigkeiten (z.B. Myopie, Hyperopie oder Astigmatismus) sein, die eine zusätzliche Belastung der visuellen Verarbeitung bewirken.
Diagnostiziert wird die Fixationsdisparität durch spezielle funktionaloptometrische Tests wie den Mallett-Test oder den Pola-Test. Diese ermöglichen eine präzise Messung der Fixationsdisparität sowie die Bestimmung der optimalen prismatischen Korrektur.
Die Behandlung einer Fixationsdisparität erfolgt individuell und richtet sich nach der Schwere der Symptome und der gemessenen Disparität. Häufig kommen prismatische Brillengläser zum Einsatz, die gezielt die vorhandene Abweichung kompensieren und somit eine entspannte und stabilisierte Augenstellung ermöglichen. Zusätzlich können funktionaloptometrische Sehtrainingsprogramme hilfreich sein, um die motorische und sensorische Fusion zu verbessern und langfristig die Beschwerden zu reduzieren.
Betroffenen hilft die Reduktion visueller Belastungen z.B. durch die optimale ergonomische Einrichtung des Arbeitsplatzes. Im Rahmen der ganzheitlichen Augenoptik und Funktionaloptometrie helfen wir Ihnen bei der Arbeitsplatzgestaltung für eine bessere Schreibhygiene und unterstützen so die visuelle Leistungsfähigkeit von Betroffenen mit Fixationsdisparität.