ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) bezeichnet eine neurologische Störung, die sich primär durch anhaltende Unaufmerksamkeit und Konzentrationsschwierigkeiten auszeichnet, jedoch typischerweise ohne die ausgeprägte Hyperaktivität auftritt, die man von ADHS kennt. Dadurch kann ADS besonders im schulischen oder beruflichen Umfeld zunächst unerkannt bleiben.
ADS betrifft sowohl Kinder als auch Erwachsene und wird oft auch als verträumte oder hypoaktive Variante von ADHS beschrieben. Typische Symptome von ADS umfassen Schwierigkeiten bei der Aufmerksamkeitssteuerung, leichte Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit und Probleme, Anweisungen oder Abläufe zu organisieren. Betroffene wirken oft geistesabwesend, zurückgezogen oder introvertiert.
Die genaue Ursache von ADS ist ähnlich wie bei ADHS nicht vollständig geklärt, wobei ebenfalls genetische Faktoren eine bedeutende Rolle spielen. Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei Betroffenen zu einer reduzierten Aktivität in Gehirnarealen kommt, die für Aufmerksamkeit, Konzentration und Planungsfähigkeit zuständig sind, insbesondere im präfrontalen Kortex. Zudem wird vermutet, dass Neurotransmitter wie Dopamin und Noradrenalin in der Regulation der Aufmerksamkeit beeinträchtigt sind.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine gründliche klinische Untersuchung, die sowohl eine ausführliche Anamnese als auch psychologische Testverfahren umfasst. Diese Tests helfen dabei, andere Ursachen für Konzentrationsprobleme, wie Sehschwierigkeiten oder Lernstörungen (z.B. Legasthenie oder Dyskalkulie), auszuschließen. Auch bei ADS muss, entsprechend der internationalen Klassifikationssysteme (ICD-10, DSM-5), ein Auftreten der Symptome bereits im Kindesalter nachweisbar sein und diese müssen über mindestens sechs Monate hinweg bestehen.
Die Behandlung von ADS verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der oft psychotherapeutische und pädagogische Maßnahmen beinhaltet. Verhaltenstherapeutische Ansätze und Konzentrationstrainings helfen Betroffenen, Strategien zur besseren Selbstorganisation und Selbststeuerung zu entwickeln. In manchen Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung mit niedrig dosierten Stimulanzien oder Nicht-Stimulanzien wie Atomoxetin sinnvoll sein, um die neuronale Kommunikation im Gehirn zu verbessern.
Häufig treten bei ADS-Patienten Probleme in der visuellen Wahrnehmung auf. Dazu zählen visuelle Verarbeitungsprobleme oder auch asthenopische Beschwerden, was wiederum die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit negativ beeinflussen kann. Daher integriert die Funktionaloptometrie visuelle Trainingsprogramme, die darauf abzielen, die Augenkoordination und visuelle Verarbeitung zu optimieren. Darüber hinaus ist eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung (Schreibhygiene) entscheidend, um die Aufmerksamkeitsspanne zu erhöhen und die visuellen und körperlichen Belastungen bei längeren Konzentrationsphasen zu reduzieren.