Low-Vision beschreibt einen Zustand stark eingeschränkter Sehfähigkeit, bei dem trotz optimaler medizinischer und optischer Versorgung (wie entsprechender Sehhilfen) keine ausreichende Sehschärfe mehr erreicht werden kann, um alltägliche Aufgaben wie Lesen, Schreiben oder Erkennen von Gesichtern ohne Hilfsmittel zu bewältigen. Der Begriff ist funktional definiert und bezieht sich nicht ausschließlich auf den Visuswert, sondern auf die Auswirkungen auf die Lebensqualität und Selbstständigkeit der betroffenen Person.
Low-Vision liegt in der Regel dann vor, wenn der bestkorrigierte Visus unter 30 % (0,3) fällt oder das Gesichtsfeld auf weniger als 30 Grad eingeschränkt ist. In schweren Fällen – bei einem Visus unter 5 % oder einem Gesichtsfeld unter 10 Grad – spricht man von hochgradiger Sehbehinderung oder rechtlicher Blindheit.
Ursachen für Low-Vision sind vielfältig und können sowohl genetisch als auch erworben sein. Häufige Auslöser sind:
- Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
- Glaukom (Grüner Star)
- Diabetische Retinopathie
- Retinitis Pigmentosa
- Optikusatrophie (Schädigung des Sehnervs)
- Folgen von Augenverletzungen oder entzündlichen Augenerkrankungen
Die Auswirkungen auf den Alltag sind individuell sehr unterschiedlich und hängen vom verbliebenen Sehrest, der betroffenen Netzhautregion und der Fähigkeit zur Kompensation ab. Neben Sehschärfe können auch Kontrastempfindlichkeit, Blendungsempfindlichkeit und räumliche Orientierung beeinträchtigt sein.
Die Versorgung von Low-Vision-Patienten erfolgt interdisziplinär und beinhaltet:
- Individuell angepasste vergrößernde Sehhilfen wie Lupen, Lesegeräte, Bildschirmlesesysteme oder Spezialbrillen,
- Filtergläser zur Reduktion von Blendung und Verbesserung des Kontrasts,
- Training im Umgang mit den Hilfsmitteln sowie Schulung in der Anwendung von Alltagstechniken,
- Wohnumfeldanpassung zur Verbesserung der Orientierung und Sicherheit,
- Psychosoziale Unterstützung, da der Sehverlust häufig mit emotionalen Belastungen einhergeht.
In Rahmen der Funktionaloptometrie steht die funktionelle Analyse des vorhandenen Sehvermögens im Zentrum. Auf Basis dieser Untersuchung und der Grundlage von Low-Vision-Training werden individuelle Strategien und Hilfsmittel ausgewählt, die dem Betroffenen ermöglichen, seine visuelle Restfunktion möglichst effizient zu nutzen. Ziel ist nicht nur eine optische, sondern auch eine funktionelle Verbesserung der Lebensqualität.