Funktionaloptometrie

Die Veränderungen unseres Sehsystems durch die Industrialisierung und damit einhergehende neue Sehgewohnheiten führen immer häufiger und verstärkt zu auftretender Kurzsichtigkeit, ungesundem Sehverhalten oder Problemen beim Binokularsehen.

Deshalb hat sich neben der Ophthalmologie und der Augenoptik einen neuen ganzheitlichen Ansatz entwickelt – die Funktionaloptometrie.

Sie konzentriert sich auf Auffälligkeiten, die nicht direkt am Auge selbst auftreten – sondern vorranging beim beidäugigen Sehen und deutlich über Myopie, Hyperopie oder Astigmatismus hinausgehen. Reicht eine klassische augenoptische Sehhilfe zur Korrektion von Abweichungen in der Wahrnehmung (Dysbalancen) nicht mehr aus oder kommt es gar durch die Sehhilfe zu asthenopischen Beschwerden, kann die Funktionaloptometrie zu einer Verbesserung des Sehverhaltens und damit des Sehkomforts beitragen und auftretende Symptome lindern oder beheben.

Denn die Defizite des visuellen Systems stehen nicht nur mit dem Auge allein in Zusammenhang, sondern haben ihre Ursache immer häufiger in neuromuskulären, neurophysiologischen und neurosensorischen Dysbalancen, sowie in externen beeinflussenden Faktoren, wie Stressoren oder ein falsches Sehverhalten.

Man unterscheidet dabei zwischen internen und externen Stressoren. Interner Stress wird durch den Versuch verursacht, nicht oder unvollständig beherrschte Augenfunktionen bzw. Körper-Koordination durch erhöhten Aufwand zu kompensieren, was zu einem erhöhten Energieaufwand und asthenopischen Beschwerden führt. Externer Stress entsteht beispielsweise durch Belastungen aus der Arbeitswelt, Reizüberflutung oder ein Gefühl von Überforderung und beeinflusst das vegetative Nervensystem, von dessen Balance viele Augenfunktionen abhängen.

Schlechte Körperhaltung und Sehhygiene, eine zu hohe Konzentration bei Tätigkeiten im Nahbereich, Verspannungen oder ein nicht ergonomischer Arbeitsplatz stellen das Auge zudem vor weitere Herausforderungen und erhöhen das Stresslevel erheblich. So blenden die meisten Menschen bei Tätigkeiten im Nahbereich[1] das periphere Gesichtsfeld fast vollständig aus. Dabei kann entstehender Stress durch ein stärkeres Bewusstsein und eine höhere Aufmerksamkeit auf das periphere Sehen reduziert werden.

Wem zum Beispiel beim Lesen im Auto, im Flugzeug oder beim Zugfahren übel wird oder Kopfschmerzen bekommt muss nicht auf das Lesen verzichten. Mit Hilfe eines Visualtrainings kann das periphere Sehen gestärkt werden und die Symptome verschwinden.

Zur Analyse und Behebung der Probleme und Dysfunktionen gilt es, „Funktionsstörungen, die bei gesunden Augen aufgrund eines falschen Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen können“ zu identifizieren.[2]

Informieren Sie sich über mögliche Anzeichen für auftretende Dysballancen, Hintergründe zur Funktionaloptometrie und entsprechende Maßnahmen:

[1] zentrales Sehen
[2] Definition nach den Angaben der Wissenschaftlichen Vereinigung für Augenoptik und Optometrie, WVAO